Gamer playing a first person shooter on high end pc.Recruiting könnte über kurz oder lang spielend von der Hand gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit so genannten Recruiting Games testen Firmen Kandidaten nach dem Gamification Ansatz: Sie lassen Bewerber beispielsweise Codes knacken, Zugnetze aufbauen oder Schlachten schlagen. Doch noch sind die Recruiting Spiele nicht in allzu vielen Firmen eröffnet. Aber was noch nicht ist, kommt ja meistens noch… (Bild: Micko1986 / dollarphotoclub)

 

Recruiting Games: U.S. ARMY brachte den Stein ins Rollen

Eine Vorreiterrolle bei der Verwendung der Recruiting Games nimmt die U.S. ARMY ein. In Deutschland ein No-Go, in Amerika schon eher machbar: Sie setzte tatsächlich auf ein Ego-Shooter-Game, um Nachwuchskräfte anzuheuern. Auf die Idee muss man erst einmal kommen! “America’s Army” heißt das Tool, mit dem die Army als einer der ersten Arbeitgeber auf Nachwuchskräfte-Fang ging.

 

In dem Game werden Skills benötigt, die von denen in einer realen der Truppe nicht allzu weit entfernt sind: Taktisches Geschick, eine schnelle Reaktionsfähigkeit, vernetztes Denken und Technikaffinität spielen eine Rolle. Spieler mit dem höchsten Score bekommen  Post von der Army. Der Inhalt: Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das ist auch schon das ganze Prinzip der Recruiting Games: Die Bewerber stellen in realistischen Szenarien ihre Skills und ihr Know-how unter Beweis. Auch Soft Skills wie Belastbarkeit, Stressresistenz und Entscheidungsgeschwindigkeit sind gefragt. Damit stellen sie ihre Eignung für den Job unter Beweis.

 

Recruiting Games zielen auf die GenY ab

Hauptzielgruppe der Recruiting Games ist – wie sollte es anders sein? – die heiß begehrte, junge und vor allem spielaffige Generation Y. Übrigens setzt nicht mehr allein die Army auf Recruiting Games, sondern auch der Kosmetikhersteller L’Oreal, die Commerzbank und inzwischen auch die Lufthansa. Konzipiert sind die zum Einsatz kommenden Spielchen allesamt unterschiedlich. Doch sie alle kombinieren auf spielerische Art und Weise Wissenstest, Assessment-Center und  jobspezifische Prüfungen miteinander.

 

Sagte die Gartner Group vor ein paar Jahren noch voraus, dass bis 2014 ein Großteil der Top-2000 Firmen derartige Games einsetzen wird, entpuppte sich die Prognose inzwischen allerdings als zu euphorisch. In ihrer Studie Recruiting Trends 2016 konstatiert die Universität Bamberg gemeinsam mit dem Karriereportal Monster, dass aus Unternehmenssicht sogenannten Recruiting Games im Personalwesen aktuell noch keine allzu hohe Bedeutung zukommt.

 

Recruiting Games: Noch ausbaufähig

Smartphone Nerd“Weniger als 2,5 Prozent der teilnehmenden Unternehmen geben an, derartige Spiele auf ihrer Karriere-Webseite oder auf sozialen Netzwerkplattformen (z.B. Facebook) anzubieten. Auch hat nur ein sehr geringer Anteil vor, diese Rekrutierungsmethode in Zukunft einzusetzen. 3,6 Prozent der Top 1.000 Unternehmen Deutschlands planen ein solches Angebot auf ihrer Karriere-Webseite und 2,4 Prozent auf einer sozialen Netzwerkplattform (z.B. Facebook) zu implementieren.” Es scheint also düster auszusehen für Recruiting Games. Aber wie gesagt: Was nicht ist, kann noch kommen. (Bild: lassedesignen / dollarphotoclub)
Digital Recruiting DOWN

 

Denn auf Bewerberseite kennen sich erstaunlich viele mit Recruiting Games aus. Laut Studie  haben bereits 8,5 Prozent der Stellensuchenden und Karriereinteressierten auf einer Karriere-Webseite und 4,4 Prozent auf einer sozialen Netzwerkplattform ihre Eignung für offene Stellen mithilfe eines Online-Spiels überprüft. Angesichts des geringen Angebots von Seiten der Unternehmen eine überraschend hohe Zahl! Und: Jeder zweite Bewerber hat zumindest schon mal von Recruiting Games gehört.

 

Recruiting Games: Unternehmen stärken ihre Bekanntheit

Dass die Recruiting Games trotz ihres geringen Vorkommens doch eine so beträchtliche Bekanntheit erreicht haben, dürfte an den Schlagzeilen liegen, die die Recruiting Games jenen Unternehmen eingebracht haben, die auf sie setzen. Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF etwa erntete jede Menge Aufmerksamkeit mit ihrem hauseigenen Recruiting Game für Nachwuchsingenieure. Blogs, Fachzeitschriften und Medien besprachen die Idee, dass Kandidaten in dem Game Fahrpläne testeten und U-Bahn-Netze bauten. Und natürlich wurde auch der Fakt nicht außer Acht gelassen, dass das Recruiting Game den Kandidaten so einiges abverlangte.  5.000 Bewerber nahmen in den ersten Runden teil, gerade einmal 17 von ihnen gelang es, das Spiel komplett durchzuspielen.

 

Ein anderes Beispiel kommt vom britische Geheimdienst GCHQ, der suchte nach fähigen Code-Hackern und testete deren Fähigkeiten, indem er einen Cryptocode online stellte und alle Jobanwärter aufforderte, ihn zu knacken. Nur auf diese Weise gelangten die Talente überhaupt auf die Recruitingseite, über die sie sich bewerben konnten.

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Recruiting Games: In den Fußstapfen von 007

Man sieht: Online Recruiting Games haben durchaus ihre Berechtigung. Das sehen auch die Kandidaten so. Laut Recruiting Trends lehnt gerade einmal ein Drittel der Stellensuchenden und Karriereinteressierten “die Überprüfung der Eignung durch Online-Spiele auf Karriere-Webseiten oder sozialen Netzwerkplattformen” ab. Die restlichen zwei Drittel sehen hingegen die spezifischen Vorteile der Recruiting Games:

 

– So sind 30,3 Prozent der Meinung, dass Online-Spiele den Kandidaten eine gute Rückmeldung geben, ob sie für eine ausgeschriebene Stelle geeignet sind

 

– 24,8 Prozent sind der Meinung, dass Online-Spiele den Aufwand für Bewerbungen reduzieren können, wenn sich Kandidaten auf Grund der Rückmeldung nur noch auf passende Stellen bewerben.

 

 

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Und auch auf Unternehmensseite scheint aus Sicht der deutschen Top 1.000 das letzte Wort in Sachen Online-Spiele noch nicht gesprochen. Die Wissenschaftler aus Bamberg rund um Studienleiter Tim Weitzel konstatieren: “Die Unternehmen sind von der Möglichkeit überzeugt, die Fähigkeiten von Kandidaten durch Online-Spiele testen zu können. Weniger hingegen überzeugt sie die Möglichkeit, Soft-Skills von Kandidaten zu testen oder deren Persönlichkeit zu erfassen. Die Studie zeigt aus Sicht der Kandidaten jedoch, dass etwa drei von zehn Stellensuchende und Karriereinteressierte die Nutzung von Recruiting Games gutheißen, um die Persönlichkeit zu erfassen und Soft-Skills sowie Fähigkeiten zu überprüfen.” (Bild: Recruiting Trends)

 

Ein Problem, das 67,9 Prozent der 1.000 größten Unternehmen Deutschlands bei der Nutzung von Online-Spielen in der Rekrutierung allerdings sehen, ist die Vergewisserung, ob Kandidaten das Spiel selbst absolviert haben oder jemand anderes für sie.

 

Fazit: Die Meinungen in punkto Recruiting Games ist gemischt. Letztlich wird die Entscheidung über das Für und Wider aber keine Frage der Meinung, sondern des Bedarfs sein. Immerhin sollten Recruiter bedenken: Die jungen Menschen der Generation Y sind mit Computerspielen aufgewachsen und für einen spielerischen Zugang zum Thema Bewerbung viel offener als die Generationen vor ihnen. Recruiting Games könnten sich daher über kurz oder lang vom belächelten zum ernstzunehmenden Trend entwickeln.


 

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