Sie sind schnell, einfach zu bedienen und bestechen durch eine enorme Reichweite – Social Media Kanäle sind im Recruiting und im Personalmarketing angekommen. Doch wer Facebook, Twitter und Co. einfach nur als Reichweitenverstärker geschalteter Stellenanzeigen einsetzt, macht etwas falsch im Social Media Recruiting. Die Community will bei Laune gehalten werden. Kontinuierlich und abwechslungsreich. Einfach mal schnell was twittern – das geht nicht auf. Dann zwitschert Ihnen die Community was: Und zwar in den schrillsten Tönen!

 

Multi-ethnic casual people holding the tablet

Es ist verlockend. Twitter, der Microblogging Dienst, mit dem Kurzmitteilungen von 140 Zeichen auf die Reise geschickt werden können, verführt geradezu zum schnellen Handeln. Und so zwitschern Unternehmen landauf, landab munter drauf los. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Kanälen wie Facebook, Google+ und Co. Schnell einen Post abgesetzt und zurück zum Daily Business. (Bild: Rawpixel.com / dollarphotoclub)

 

 

Social Media: Schnell aber bitte mit Bedacht

Doch halt: Ist es nicht gerade erklärtes Ziel, potenzielle Kandidaten von sich als interessanten Arbeitgeber zu überzeugen und emotional zu binden? Aber Bindung kann nur durch Kontinuität entstehen und vor allem durch emotional ansprechende Botschaften. So ist es im richtigen Leben – und im Netz.

 

In der Tat sind die diversen Social Media Plattformen ein wahres Tummelbecken fürs Recruiting und eignen sich ideal, um nah ranzukommen an die aktuell in vielen Bereichen so heiß begehrten Bewerber. Hier sind sie aktiv. So erreicht man derzeit in Deutschland bei Facebook über 22,64 Millionen Nutzer, dicht gefolgt von Whatsapp mit rund 21,01 Millionen, auf Twitter bewegen sich rund 5,66 Millionen, ebenso wie auf Google+. (An dieser Stelle herzlichen Dank an Blogger Daniel Rehn, der sich die Mühe gemacht hat, diese Zahlen auf seinem Blog aufzudröseln.)
Digital Recruiting DOWN

 

Social Media ist den Kinderschuhen nicht entwachsen

Soweit, so gut. Doch „Social Media im Personalmarketing und Recruiting ist den Kinderschuhen noch nicht entwachsen. Die Schuhe mögen heute eine Nummer größer sein, aber das Laufen mit ihnen fällt den Unternehmen nach wie vor schwer. Wenn DAX, MDAX und TecDAX noch in den Kinderschuhen stecken, so könnte man sagen, dass die Unternehmen mit weniger als 2.500 Mitarbeitern gerade erst krabbeln gelernt haben“, so Professor Christoph Beck von der Fachhochschule Koblenz und Saatkorn-Kopf Gero Hesse bei der Präsentation der Social Media Studie 2011. Richtig gelesen: 2011. Doch auch heute – vier Jahre später – hat die Aussage nicht an Gültigkeit verloren.

 

So kämpfen Personalabteilungen nach wie vor mit den Herausforderungen, die Personalmarketing und Recruiting über Social Media mit sich bringen. Das fand die Universität Bamberg heraus, die die Personaler von Deutschlands Top 1000 Unternehmen befragte.

 

Social Media: Neue Fähigkeiten erlernen

Fast neun von zehn Befragten denken dementsprechend, dass Recruiter für ein Social Recruiting neue Fähigkeiten erlernen müssen. Allerdings glauben nur 41,5 Prozent der Recruiter, dass die durch Social Media notwendig gewordenen Veränderungen in der Rekrutierung umsetzbar sind. Konkret können es Personaler aktuell nicht leisten, über Twitter und Co. so stark in den Dialog mit ihrer Zielgruppe zu treten, wie es ein nachhaltiges Social Recruiting erfordern würde.

 

Und auf absehbare Zeit wird sich daran auch nichts ändern. Denn die oben beschriebenen Werte, so die Studienautoren, „befinden sich seit dem Jahr 2012 auf einem konstanten Niveau. Neben der stark zunehmenden Bedeutung von Social Media in der Personalbeschaffung, stellen somit aus Unternehmenssicht auch die sich in diesem Zusammenhang ergebenden Herausforderungen einen deutlichen und sich im Zeitverlauf verfestigenden Trend dar.“

 

Cute twitter birds following each other.

Fatal, wenn man bedenkt, wie viel Recruiting Potenzial auf diese Weise brach liegt. Und das, wo doch so viele Unternehmen nachhaltig unter dem Fachkräftemangel ächzen und stöhnen. Soweit, so schlecht. Aber wir wollen das Problem auch nicht klein reden, Social Media ist Arbeit, sogar richtig viel Arbeit. Und insofern geben wir den Personalern an dieser Stelle Recht: Wenn sie dazu verdonnert werden, die Kanäle zusätzlich zu ihren eigentlichen To Do’s zu bespielen, kann das nur schief gehen. Social Media Marketing ist nichts, das nebenbei gemacht werden kann.  Und das gilt für alle Social Media Kanäle: Twitter, Facebook, Xing, Google+ etc. (Bild: Groening / dollarphotoclub)

 

Social Media Marketing: Keine Aufgabe, die nebenbei erledigt werden kann

Es bedarf  jeweils eines Redaktionsplanes und einer Strategie, die auf dem Selbstverständnis des Unternehmens fußt.

 

– Wie will sich eine Firma nach außen positionieren?

– Eher seriös oder jung und flippig?

 

Das muss sich auch in der Sprache der Postings widerspiegeln. Und nicht zuletzt bedarf es natürlich auch Inhalten, die geteilt werden können.

 

Neben geschalteten Stellenanzeigen können das Bilder oder Texte sein, die das Unternehmen von innen heraus erlebbar machen. Wichtig ist dabei stets der Faktor Authentizität. Gestellte Posen, Texte, die vor werblichen Inhalten triefen – das will die Community nicht. Stattdessen geht es um echte Schnappschüsse, die auch ruhig mal ein bisschen verwackelt sein dürfen – umso wirklichkeitsnäher sind sie.

 

Social Media: Authentisch bleiben!

Oder es geht um Inhalte (Content), die die Leser weiterbringen, sie unterhalten und informieren. Texte etwa aus einem Corporate oder Mitarbeiter Blog. Kurzum: Je personalisierter der Firmenauftritt, desto größer die Sympathie, die der Firmen entgegenschlägt. Messbar ist das durch die Anzahl Likes und Kommentare auf den Social Media Plattformen. Steigen diese kontinuierlich an, ist das ein gutes Zeichen: Alles richtig gemacht. Sinken sie oder dümpeln sie vor sich hin, muss nachgebessert werden. Denn auch das ist Social Media Marketing: Trial and Error. Man muss seine Community erst mal kennenlernen.

 

Und wer es versteht, aktiv, direkt und auf Augenhöhe mit der Community zu kommunizieren und vor allem, wer auch auf negative Meldungen rasch reagiert, dem eröffnen sich langfristig auch ausgezeichnete Recruiting-Möglichkeiten.

 

Social Media: Auf Augenhöhe mit der Community

Über Social Media Plattformen lässt sich das Image eines Unternehmens aber auch nur dann nachhaltig positiv besetzen, wenn die goldene Regel des Social Media Marketings beherzigt wird: Firmen dürfen auf gar keinen Fall in einer One-to-Many-Kommunikation über sich erzählen. Stattdessen ist der aktive Austausch mit den Nutzern das A und O. Sprich: Egal, ob Twitter, Facebook oder Google+ – auf eine Reaktion eines Nutzers sollte eine Gegenreaktion erfolgen. Und diese sollte möglichst kompetent und sympathisch daher kommen.
Digital Recruiting DOWN

 

Die Sympathiewerte lassen sich noch weiter in die Höhe treiben, wenn ein Unternehmen aktiv auf seine Community zugeht und die Beiträge seiner Nutzer kommentiert. Oder – und hier bewegen wir uns schon auf die Kür zu – einzelne Nutzer können auch explizit auf Inhalte aufmerksam gemacht werden, die für sie von Interesse sein könnten. Namen adden und ab geht der Post. Das wird von potenziellen Kandidaten natürlich als echter Service empfunden. Und Social Media wäre nicht Social Media, wenn sich so etwas nicht herumspräche.

 

Social Media: Expertenwissen ist gefragt!

Aber nochmal zurück zum Ausgangspunkt: Als Personalmarketing-Goodie on top ist all das von HR nicht zu bewältigen. Schließlich müssen Personalverantwortliche heute so einiges im Blick behalten. Die richtigen Mitarbeiter rekrutieren, sie involvieren, motivieren, ihre Daten erfassen und verwalten und dabei stets Richtlinien-konform agieren.

 

All dies in einem Markt, der zunehmend durch Digitalisierung, Mobilität, also dem Kommunikationsverhalten einer neuen Generation geprägt ist. Hier sollten Unternehmen genau überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, ihr Recruiting Marketing in die Hände eines Mitarbeiters zu legen, der sich voll und ganz um die Social Media Kanäle kümmert. Zu teuer? Nicht zwingend. Denn wer auf diese Weise in sein Image als Arbeitgeber investiert, spart langfristig Recruitingkosten ein. Das sollte eine Überlegung wert sein, oder? (Bilder: Dollarphotoclub)


 

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