Falsche Versprechen: Im Bewerbungsprozess wird geschummelt, schöngeredet und gemogelt, was das Zeug hält. Aber nicht nur Bewerber nehmen es manchmal mit der Wahrheit nicht allzu genau. Auch Personaler gestalten sich die Welt hier und da, wie sie ihnen gefällt. In der Stellenanzeige ist ein wenig Schönfärberei nicht das schlimmste, aber man sollte doch weitgehend bei der Wahrheit bleiben.

Schönfärberei in der Stellenanzeige: Der Kampf um Talente

Personaler, die heutzutage auf der Suche nach Auszubildenden oder Studienabsolventen sind, müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie beim einzelnen Talent punkten wollen. Doch eben das scheint inzwischen nicht mehr so leicht zu sein wie noch vor ein paar Jahren.

 

Jedenfalls halten sich die Klischees hartnäckig, dass insbesondere die stark nachgefragten Potenzialträger der Generationen Y und Z bei der Auswahl ihres künftigen Brötchengebers erheblich kritischer vorgehen als das noch die Babyboomer oder die Generation X vor ihnen getan haben.

 

Millennials: Was sie vom Arbeitgeber erwarten

Den so genannten Millennials wird zum Beispiel nachgesagt, dass für sie die Balance zwischen Arbeit und Privatleben eine höhere Priorität hat, als ein gutes Gehalt. Als Arbeitnehmer sollen sie anspruchsvoll und als Konsumenten verwöhnt sein. Auch viele in sich widersprüchliche Vorurteile beherrschen das Bild der Generationen Y und Z: Wahlweise werden die Talente als zu ehrgeizig, zu faul, zu zurückhaltend oder zu selbstbewusst beschrieben.

 

Doch was davon ist wahr? Was erwarten junge Leute wirklich von ihrem Arbeitgeber und ihrem Job? Dieser Frage ging die kürzlich erschienene, repräsentative Studie “World of Work 2016” nach. Sie entstand in Kooperation mit dem Karriereportal Monster und YouGov, einem internationalen Markt- und Meinungsforschungsinstitut aus Großbritannien. Die Erhebung bestätigte: Eine gestiegene Erwartungshaltung gegenüber potenziellen Arbeitgebern ist dem Nachwuchs in der Tat nicht abzusprechen.

 

Erwartungshaltung gegenüber Arbeitgebern steigt

Fragt man Millennials zwischen 18 und 36 Jahren zum Beispiel, wie zuversichtlich sie sind, mit ihren aktuellen Fähigkeiten einen neuen Job zu finden, antworten sie vergleichsweise selbstbewusst. Etwa acht von zehn Teilnehmern (78 Prozent) sind mit Blick auf die eigenen Qualifikationen zuversichtlich oder sogar sehr zuversichtlich, schnell in Lohn und Brot zu stehen. Auch wenn sie morgen ihren Job verlieren würden, rechnen 72 Prozent der Befragten damit, schnell wieder eine neue Arbeitsstelle zu finden. Denn: Sie sind begehrt, können sich ihre Jobs praktisch frei auswählen und das wissen sie auch.

 

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Der Umkehrschluss: Unternehmen, die diese Zielgruppe im Recruiting für sich begeistern wollen, müssen ihnen bereits in der Stellenanzeige die Dinge bieten, die ihnen etwas bedeuten. Soweit, so richtig. Dazu gehören laut der der Studie Recruiting Trends der Universität Bamberg zum Beispiel die detaillierte Beschreibung des Arbeitsgebietes, der Aufgaben und der Beschaffenheit der Stelle sowie Informationen zu beruflichen Projekten Klima und Arbeitsumfeld.

 

Doch was, wenn ein Arbeitgeber mit diesen Dingen nicht aufwarten kann?  Zweifelhaft wird dieses Unterfangen in der Rekrutierung spätestens dann, wenn ein Unternehmen bereits im geschalteten Stelleninserat Dinge verspricht, die mit der Wahrheit nicht allzu viel zu tun haben.

 

Selbst, wenn Bewerber zunächst anbeißen – die Freude über den Bewerberansturm wird nicht allzu lange währen. Denn spätestens beim Vorstellungsgespräch werden die Schönfärbereien enttarnt. Und dann springt der Bewerber schneller ab, als der Personaler bis drei zählen kann.

 

Das heißt aber nicht, dass damit zwangsläufig alle Personaler unter Generalverdacht stünden. Natürlich gibt es zahlreiche ehrliche Personaler und gute Arbeitgeber, die ihre Versprechen halten und ihnen große Chancen zum persönlichen und beruflichen Wachstum bieten. Allerdings säen die schwarzen Schafe im Markt auch Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Arbeitgeber, die es ehrlich mit dem Bewerber meinen. An welchen Stellen in der Stellenanzeige wird am meisten gemogelt? Nachfolgend eine kurze Übersicht:

 

Falsche Versprechen Nummer eins: Gute Aufstiegschancen

Es ist allzu logisch: Wer bereits in der Stellenanzeige gute Karrierechancen vor Augen geführt bekommt, der beißt möglicherweise eher an, als bei einem Arbeitgeber, der keine expliziten Aufstiegsmöglichkeiten bietet. Doch allzu oft lassen sich die Karriereperspektiven innerhalb eines Unternehmens nicht so klar vorhersagen, wie es der Passus in der Stellenanzeigen  eigentlich glauben machen will.

 

Denn um Beförderungsstellen ausschreiben zu können, muss zunächst das Unternehmen wachsen. Und das hängt nicht nur von internen, sondern auch von vielen externen Faktoren ab. Personaler, die dieses Versprechen nicht halten können, sollten daher vorsichtig sein: Auch Bewerber lesen Zeitung und wissen genau über eine Branche und ihre Entwicklungen bescheid. Also: Lieber bei der Wahrheit bleiben!

 

Das Versprechen flexibler Arbeitszeiten

Studien belegen immer wieder, dass insbesondere junge Bewerber einen hohen Wert auf eine gewisse Flexibilität im Arbeitsleben legen. Und so flutscht in die Stellenbeschreibung gerne mal der Passus “Wir bieten flexible Arbeitszeiten” rein.

 

“Schreibt doch heute jeder!” Das mag sein. Dass heißt aber nicht, dass es für ein Unternehmen ein Aushängeschild wäre, wenn sich dieser Punkt als Mogelei entpuppt. Für Bewerber bedeuten flexible Arbeitszeiten die Chance auf Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit oder die Möglichkeit,  einen Teil der Arbeit im Home Office zu erledigen.

 

Doch in manchen Bereichen ist das von vornherein überhaupt nicht möglich: In Krankenhäusern etwa, in denen die Arbeit in festen Schichten erledigt wird und auch die Aussicht auf Homeoffice praktisch vergeblich ist. Der Dienst am Patienten lässt sich nun einmal nur vor Ort verrichten. Auch hier lässt sich für Bewerber je nach Branche leicht nachvollziehen, was geht und was nicht. Das Wörtchen Flexibilität wird hier Bewerber eher abschrecken. Denn dann ist klar, was gemeint ist: Die Flexibilität, auch mal die ein oder andere Überstunde dranzuhängen.

 

 

Falsche Versprechen Nummer drei: Rasche Gehaltserhöhung

Ohne ein angemessenes Gehalt lässt sich ein gutes Leben nicht finanzieren, soviel steht fest. Und neueste Studien belegen, dass der jungen Generation der schnöde Mammon gar nicht so egal ist, wie lange Zeit angenommen wurde. Daher greifen Unternehmen in einer Stellenanzeige inzwischen auch gerne mal beim Thema Gehalt in die Trickkiste und legen darin nahe, dass das zunächst schmale Einkommen tendenziell schnell wachsen wird.

 

Doch auch hier können sich Bewerber über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage leicht rückversichern. Zum Beispiel bei Arbeitgeberbewertungsplattformen wie glassdoor oder kununu. Hier fliegen übrigens auch die anderen Schönfärbereien leicht auf.

 

Falsche Versprechen Nummer vier: Spannende Projekte, innovatives Umfeld

Auch das Versprechen auf “viele spannende Projekte”, die der neue Arbeitnehmer in einem “innovativen Umfeld” eingebunden werden soll, erregen beim Bewerber Argwohn, wenn nicht ein Hinweis erfolgt, um welche Projekte es sich dabei handeln könnte. Bleiben hier Fragen offen, liegt der Rückschluss nahe, dass der Arbeitgeber ein eher schnödes Aufgabengebiet möglichst spannend hervorheben möchte.

 

Diese Flunkerei kommt spätestens dann ans Licht, wenn der Bewerber bei Unklarheiten nochmal zum Telefonhörer greift, um direkt beim Personalverantwortlichen nachzuhaken, um welche Projekt-Tätigkeiten es sich denn konkret handelt. Besser wäre es, der Anrufteilnehmer hätte auf diese Frage etwas zu antworten. Ansonsten gilt: Lügen haben kurze Beine. Und die ebnen Bewerbern den Weg ins Vorstellungsgespräch mit Sicherheit nicht.