Im Rahmen der Studie “Recruiting Trends 2018” hat die Universität Bamberg die wichtigsten Trends in der Personalbeschaffung untersucht. Sie ging auch der Frage nach, welche Bedeutung die Stellenanzeige als Recruiting-Tool hat. Die Ergebnisse im Überblick.

 

Recruiting Trends 2018: Die wichtigsten Fakten im Überblick

Den größten Teil ihrer Vakanzen publizieren deutsche Arbeitgeber nach wie vor als Stellenanzeigen. Zu finden sind die Jobinserate am häufigsten auf der eigenen Unternehmenswebseite und / oder auf Internet-Stellenbörsen. Das ist eines der Kernergebnisse der Studie Recruiting Trends 2018 der Universität Bamberg in Kooperation mit dem Karriereportal Monster.

 

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Die Studie kombiniert die Sicht von Unternehmen und Kandidaten. Auch Kandidaten zieht es bei der Suche nach einem Job klassisch zu den Jobbörsen. Seit Beginn der Untersuchungen für die repräsentative Studie Recruiting Trends vor über 15 Jahren sind Karriereportale der von Talenten meistgenutzte Kanal. Wurde den Jobplattformen und der Stellenanzeige von Kritikern vor Jahren bereits der langsame Niedergang vorausgesagt, weil Recruiting inzwischen aus mehr besteht, als dem bloßen Schalten eines Jobinserats, so wurden diese nun erneut eines Besseren belehrt.

 

Recruiting Trends 2018: Nutzung von Karriereportalen nimmt zu

So verzeichnet die Nutzung von Karriereportalen einen Anstieg um stattliche 11 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2012. Die Unternehmenswebseite war aus Sicht der Arbeitgeber lange Zeit der am zweithäufigsten genutzte Kanal. Sie wurde aber in den letzten Jahren durch Karrierenetzwerke auf Platz drei der wichtigsten Personalbeschaffungsinstrumente verdrängt, womit die Unternehmenswebseite in der Personalbeschaffung inzwischen gleichauf mit Suchmaschinen genutzt wird.

 

Zur Personalbeschaffung setzen Arbeitgeber aber schon lange nicht mehr allein auf Stellenportale, sondern auch auf das Streuen von Vakanzen auf verschiedenen Social-Media-Kanälen. Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram und Co. werden darüber hinaus auch für die Platzierung von Image-Werbung im Rahmen von Employer-Branding-Kampagnen genutzt.

 

Um Stellenanzeigen zu streuen, setzen Arbeitgeber vor allem auf das Businessnetzwerk XING, gefolgt von LinkedIn und Facebook. “Über die letzten Jahre zeigt sich insbesondere, dass XING dieses Jahr häufiger für das Employer Branding genutzt wird als Facebook, das für dieses Anwendungsszenario die letzten sieben Jahre dominiert hat”, heißt es in der Studie.

 

Ähnlich fällt die Einschätzung aus Sicht der Kandidaten aus. Sie nutzen Social-Media-Kanäle zur Suche nach Stellenanzeigen und Informationen über Jobs und Unternehmen aktiv und verwenden dafür am häufigsten XING. Auf Platz zwei und drei folgen LinkedIn, Google+ und Facebook. Die allgemeine Nutzung der neuen Social-Media- Kanäle – WhatsApp, SnapChat und Instagram – für die Veröffentlichung von Stellenanzeigen und Image-Werbung ist vergleichsweise gering. Nur ein kleiner Anteil der Unternehmen nutzt diese Kanäle. Ganz die Augen davor verschließen, könnte für Arbeitgeber aber negative Folgen haben.

 

recruiting Trends

 

Generation Y sucht bei Instagram und SnapChat

Vergleichsweise häufig nutzt die Generation Y Social Media zur Jobsuche. Dabei bezieht sie auch neuen Kanäle wie Instagram und SnapChat in ihre Suche nach Stellenanzeigen und weiterführenden Informationen über den Arbeitgeber mit ein.

 

Die Forscher der Universität Bamberg fanden heraus, dass im Schnitt bereits jeder zwanzigste Kandidat Instagram zur Suche nach Informationen über einen Arbeitgeber nutzt. Derweil sind nur 1,6 Prozent der Baby-Boomer-Generation auf Instagram unterwegs, um hier Informationen über Vakanzen zu sammeln, während sich etwa jeder zwanzigste Kandidat aus der Generation X genau hierfür auf Instagram tummelt. Aus der Generation Y ist es ungefähr jeder zehnte Kandidat.

 

Daraus ergibt sich folgendes Fazit: Wer Kandidaten erfolgreich ansprechen will, muss seine Zielgruppe genau kennen, wissen, was ihr wichtig ist, und auf welchen Kanälen sie erreichbar ist. Ansonsten ist die Gefahr groß, aneinander vorbei zu kommunizieren.

 

Zielgruppenorientierung – das A und O für einen Recruitingerfolg 

Arbeitgeber haben das auch erkannt. Stattliche 95,8 Prozent bewerten die Zielgruppenorientierung beim Schalten von Stellenanzeigen und dem Streuen von Informationen als wichtig für die Personalgewinnung. Allerdings glauben 97,2 Prozent der Befragten auch, dass Recruiter hierfür zusätzlich neue Fähigkeiten lernen müssen, um relevante Zielgruppen identifizieren zu können.

 

Doch der Erfolg zielgruppenspezifischer Recruiting-Kampagnen spricht für sich, wie die Forscher der Universität Bamberg konstatieren. “Wie zu erwarten, generieren die Top- 1.000-Unternehmen sowie die IT-Unternehmen mit zielgruppenspezifischen Stellenanzeigen mehr tatsächliche Einstellungen, als jene Unternehmen, die diese Anpassung nicht vornehmen”, heißt es in der Studie.

 

 

Die Forscher konstatieren in Bezug auf die Zielgruppenorientierung von Personalbeschaffungskampagnen die folgenden Vorteile:

 

  1. Arbeitgeber können besser geeignete Kandidaten finden
  2. Unternehmen können freie Stellen schneller mit geeigneten Kandidaten besetzen
  3. Zielgruppenorientierung reduziert die Anzahl von Bewerbungen nicht geeigneter Kandidaten

 

Allerdings hat die Zielgruppenorientierung auch ihre Kehrseiten. Laut der Studie Recruiting Trends 2018 sind es die folgenden:

 

  1. Die Identifikation der relevanten Zielgruppe für jede Vakanz ist zeitaufwändig
  2. Die Identifikation der relevanten Zielgruppe für jede Vakanz ist kostenintensiv
  3. Die Zielgruppenorientierung verkleinert den potenziellen Bewerberkreis, sodass potenziell geeignete Kandidaten, die sich doch auf anderen Kanälen aufhalten nicht berücksichtigt werden

 

Studienleiter Professor Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Bamberg kommt abschließend zu folgendem Fazit: “Auf der Basis von 16 Jahren Datenerfassung haben wir (…) einen ausgezeichneten Einblick auf die Trends und Entwicklungen im Recruiting”, sagt er. “Unsere Studie bietet die Basis für den dringend notwendigen Realitätscheck für die Unternehmen.” Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. (Bild:  © WrightStudio, Fotolia.com)