Bewerber mögen keine Bewerbungsformulare. Das ist nicht neu. Dennoch boten viele Unternehmen diese lange Zeit als einzigen Weg der Bewerbung an. Nun sieht es danach aus, als würde sich langsam aber sicher die One-Click-Bewerbung durchsetzen. Und mit ihr das Xing- oder LinkedIn-Profil als neue Bewerbungsmappe!

 

Bewerbungsformular: Qual für Bewerber

Lange, lange, lange mussten Bewerber, die an einer Vakanz interessiert waren, in den sauren Apfel beißen und sperrige Bewerbungsformulare ausfüllen. Doch für Unternehmen, die in einem engen Arbeitsmarkt operieren, entpuppt sich diese eher zähe Form der Bewerbung zunehmend als entscheidender Wettbewerbsnachteil.

 

Denn für Bewerber ist das Bewerbungsformular im Gegensatz zu HR-Abteilungen alles andere als bequem. Ein großer Nachteil ist zum Beispiel, dass durch die standardisierten Vorgaben sehr viel weniger Raum bleibt, um individuelle persönliche oder fachliche Qualifikationen ausführlich darzustellen und der Bewerbung damit eine persönliche Note zu verleihen.

 

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Für manche Stationen im Lebenslauf findet sich gar kein Platz: Das beginnt manchmal bereits bei Praktika und setzt sich bei Familien- oder Pflegezeiten oder Sabbaticals fort. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass man für eine Person gehalten wird, deren Lebenslauf Lücken aufweist, weil man nicht alle Zeiten, die man mit Produktivem verbracht hat, auch in dem Bewerbungsformular angeben kann.

 

Bewerbungsformulare bieten keinen Raum für Individualität

Für individuellere Lebensläufe ist eine Bewerbung via Online-Bewerbungsformular außerdem nicht geeignet, da hier kaum eine Möglichkeit besteht, besondere Stärken und Fähigkeiten hervorzuheben.

 

Hinzu kommt: Ein Bewerbungsformular bedeutet für Bewerber im Gegensatz zu Unternehmen meist keine Zeitersparnis. Das Ausfüllen verlangt im Vergleich zur Erstellung einer Mappen- oder E-Mail-Bewerbung eine mindestens ebenso große Sorgfalt, da schon eine vergessene Angabe oder Tippfehler dazu führen können, dass die Bewerbung von der Software ausgefiltert wird.

 

Weitere Punkte, die es Kandidaten schwer machen, Gefallen an Online-Formularen zu finden:

  • Viele Bewerbungsformulare sind viel zu lang und fragen mitunter irrelevante Informationen ab.
  • Bewerbungsformulare können selten zwischengespeichert werden. Was, wenn es aus technischen Gründen plötzlich abbricht? Dann startet der ganze Prozess von vorn. Oder der Kandidat springt ab und wendet sich einem Arbeitgeber zu, der es ihm leichter macht, sich bei ihm zu bewerben.
  • Bewerbungsformulare sind der Graus für jeden mobilen Bewerber. Sie sind auf kleinen Smartphonedisplays so gut wie nicht ausfüllbar. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Denn immer mehr Kandidaten wollen sich auch von unterwegs bewerben können.

 

Es gäbe also viele Gründe, die dafür sprächen, es den wenigen Interessenten, die heute einer Vielzahl an Vakanzen gegenüberstehen, so einfach wie möglich zu machen. Die One-Click-Bewerbung böte hier eine gute Alternative zum Bewerbungsformular.

 

Bewerbungsformular

 

Löst die One-Click-Bewerbung das Bewerbungsformular ab?

So geht’s: Bewerber, die ihr Social Media Profil bei Xing und LinkedIN gut in Schuss haben, klicken auf einen in eine Stellenanzeige integrierten Button, importieren mit einem Klick die Daten aus ihrem Xing-Profil und bewerben sich auf diese Weise. Ein Klick also und Name, Adresse, Kontaktdaten, sowie die bisherigen beruflichen Stationen und Qualifikationen werden an das Unternehmen übermittelt.

 

Bei Interesse kann das Unternehmen dann direkt Kontakt mit dem Kandidaten aufnehmen und zum Beispiel nach den angegebenen Qualifikationen fragen. In der kürzlich herausgegebenen Studie „RecruitingTrends 2017“ von Kienbaum Consulting und Staufenbiel Institut kam heraus, dass 75 Prozent der befragten Personaler sich ohnehin zunächst den Lebenslauf anschauen und danach erst das Anschreiben.

 

Die Qualifikation des Bewerbers steht damit an erster Stelle – und eine One-Click-Bewerbung trägt diesem Bedürfnis von HR Rechnung. In der im Herbst 2016 durchgeführten Online-Umfrage haben insgesamt 297 Unternehmen teilgenommen.

 

One-Click-Bewerbung: Noch nicht in der Praxis angekommen

Trotz ihrer Vorteile und Einfachheit ist die One-Click-Bewerbung klingt. So 100-ig in der Praxis angekommen ist sie aber noch nicht, wie aus der gleichnamigen Studie der Universität Bamberg hervorgeht.

 

Nur eines von zehn Unternehmen der dafür befragten Top-1.000-Unternehmen bietet momentan eine One-Click-Bewerbung an. Für die Zukunft gehen jedoch 46,2 Prozent der befragten Top-1.000-Unternehmen davon aus, dass sich die One-Click-Bewerbung zunehmend etablieren könnte.

 

Auch aus Kandidatensicht hat die One-Click-Bewerbung in den letzten Jahren zunehmend an Akzeptanz gewonnen. Ein Fünftel der Kandidaten sieht die One-Click-Bewerbung bereits heute als eine wichtige Möglichkeit der Bewerbung und zieht diese anderen Bewerbungsformaten wie dem Bewerbungsformular vor. Betrachtet man die Antworten der Kandidaten zur zukünftigen Entwicklung, so geben 33,4 Prozent von ihnen an, dass ihrer Meinung nach die One-Click-Bewerbung in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.

 

 

Bewerbungsformular erhöht die Hemmschwelle der Bewerber

Die Ergebnisse zeigen: Es besteht zwar noch Luft nach oben, aber die Kunde, dass ein einfacher One-Click-Bewerbungssutton ganz ungemein helfen würde, die bestehenden Bewerbungshemmschwelle zu senken, spricht sich offenbar langsam herum. Unternehmen könnten mit der Abkehr vom Bewerbungsformular die besonders hohen Abbruchraten von besonders qualifizierten Bewerbern reduzieren.

 

Diese haben vergleichsweise noch weniger Lust, die anstrengenden Online- Formulare auszufüllen – warum sollen sie auch? Ihnen stehen ohnehin in Zeiten des Fachkräftemangels alle Möglichkeiten offen.

 

Wettbewerb um die besten Mitarbeiter: Generation y will eine Welt auf Knopfdruck

Folglich müssen sich Unternehmen in Zeiten von Fachkräftemangel und Generation Y überlegen, wie sie Potential in ihre Organisation bekommen. Um beim Wettbewerb um die besten Mitarbeiter mithalten zu können, müssen sie sich den Gewohnheiten der nachwachsenden Generation anpassen. Die Zeiten von komplexen Formen der Bewerbung sind vorbei.

 

Insbesondere die junge Generation will es im Internetzeitalter schnell, einfach und unkompliziert haben. Für sie ist eine Welt auf Knopfdruck keine Vision mehr, sondern gelebte Realität.

 

Die Generation Y sucht sich per Swipe einen neuen Partner aus, chattet, liked und macht Selfies. Alles mit dem Smartphone. Für viele der zwischen 1980 und 1995 geborenen jungen Menschen ist ein Leben ohne dieses Gadget unvorstellbar: Der erste Blick morgens nach dem Aufwachen gilt dem Smartphone. Der letzte Blick vorm Schlafgehen auch. Im krassen Gegensatz dazu steht die Welt der Jobsuche, wie in einem lesenswerten Blogbeitrag auf Gründerszene nachzulesen ist.

 

Er zitiert Milan Uhe, Gründer der Berliner Personalvermittlung Headmatch Interim: „Alles muss sehr schnell gehen. Niemand setzt sich mehr hin und klaubt eine Bewerbungsmappe zusammen“, gibt er zu Bedenken. Es herrsche ein Mangel an Geduld. Der Grund: „Durch die Technologie ist die Generation gewöhnt, dass alles immer sofort funktioniert, auf einen Knopfdruck hin.“

 

Ist die One-Click-Bewerbung aus technischer Sicht realisierbar?

Aber wie sieht das von technischer Seite aus? Wie können Arbeitgeber die One-Click-Bewerbung überhaupt in ihr Recruiting Portfolio aufnehmen? Ja, denn dafür gibt es inzwischen verschiedene Software-Lösungen, die gut funktionieren.

 

HR Software Hersteller bieten zum Beispiel Tools an, die über eine Schnittstelle schnell und einfach an das hauseigene System angebunden werden können. Zu ihnen gehören zum Beispiel: persis, lumesse, HR4You, INFONIQA, d.vinci, BITE, personio, carerix, jacando match, erecruiter, Textkernel, Talention und noch viele andere.

 

Der Weg ist also geebnet. Jetzt müssten nur noch Taten folgen. Dabei sollten Personaler bedenken: Wer Vorreiter in punkto Bewerbung 4.0 ist, der bekommt auch umso wahrscheinlicher die Visionäre in sein Unternehmen. Und auf die kommt es in Zukunft immer mehr an.