Übernehmen Roboter bald den Job des Recruiters? Die Sorgen sind groß: Was früher in der Personalbeschaffung von Hand erledigt wurde, könnte vielleicht schon bald der Algorithmus steuern. Schon seit Jahren sind Programme auf dem Markt, mit denen sich der Rekrutierungsprozess elektronisch steuern lässt. In Fachjargon wird das als Robot Recruiting bezeichnet. Doch wie funktioniert es, welche Angebote gibt es auf dem Markt und wo liegen die Vor- und Nachteile? Und: Wird das Robot Recruiting die Jobs von Personalern killen? Fragen über Fragen! Die Antworten darauf finden Sie in diesem Artikel.

 

Was ist Robot Recruiting?

Lange gehörte es zum klassischen Job eines Recruiters, eingegangene Bewerbungsunterlagen zu sichten und auf Passgenauigkeit mit einer ausgeschriebenen Stelle beziehungsweise der Stellenanzeige  zu überprüfen. Dieser sehr zeitaufwändige Prozess kann inzwischen auch zuverlässig von einer HR Software innerhalb eines Bewerbermanagementsystems übernommen werden. Weil dann nicht mehr der Recruiter die Vorselektion übernimmt, sondern ein Roboter in Form eines intelligenten Recruitingprogramms, hat das dem Procedere den Beinamen Robot Recruiting eingebracht.

 

Wie funktioniert Robot Recruiting genau?

  • Die entsprechende Software vergleicht die Informationen aus den Lebensläufen von Bewerbern mit den Skills, die für eine konkrete Vakanz benötigt werden.
  • Dazu werden Qualifikationen, bestimmte Soft Skills, absolvierte Weiterbildungen und natürlich die Ausbildung eines Bewerbers analysiert.
  • So sehen Personalsuchende genau, welcher Bewerber perfekt geeignet ist und welcher eher nicht.

 

Welche Vorteile hat Robot Recruiting für Recruiter- und Kandidaten?

Sowohl für Recruiter als auch für Kandidaten hat Robot Recruiting entscheidende Vorteile. Wir haben die wichtigsten 3 Punkte zusammengestellt.

  1. Dank Robot Recruiting werden Kandidaten objektiver und damit häufig auch gerechter ausgewählt.
    Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der Roboter lässt sich bei der Auswahl durch Kriterien wie Hautfarbe, Geschlecht oder Ethnie nicht beeinflussen. Das fördert eine diskriminierungsfreiere Rekrutierung von Talenten.
  2. Robot Recruiting beschleunigt die Bewerbervorauswahl.
    Das Ergebnis für den Abgleich von Stellenanforderungen und den Skills eines Talents liegt binnen Sekunden vor, während Recruiter dafür bis zu einer halben Stunde brauchen.
  3. Kandidaten erhalten schnelleres Feedback
    Da dank Robot Recruiting in der Vorauswahl von Kandidaten Vieles schneller geht, können Personalsuchende Bewerbern auch viel schneller ein fundiertes Feedback geben, ob sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden oder nicht.

 

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Wie verbreitet ist Robot Recruiting?

Hierzulande setzen Recruiter zwar durchaus auch auf fortschrittliche Computer-Technologien. Jedoch nicht, um damit Bewerbungen zu analysieren oder zu selektieren. Laut der Studie Recruiting Trends 2020 der Universität Bamberg hat etwa jedes zehnte Unternehmen ein solches System aktuell im Einsatz. Jedoch glauben acht von zehn Arbeitgeber, dass digitale Auswahlsysteme in Zukunft immer häufiger zum Einsatz kommen werden. Hier herrscht also noch Nachholbedarf.

Deutlich verbreiteter in der Arbeitswelt ist dagegen die CV-Parsing-Technologie, die im weitesten Sinne ebenfalls dem Robot Recruiting zugerechnet wird. Ein CV-Parser ist so etwas wie der kleine Bruder des Robot Recruiters. Die entsprechenden Software-Lösungen lesen automatisch Lebensläufe in verschiedensten Formaten (PDF, Word, JPEG etc.) aus, filtern relevante Informationen heraus und erstellen daraus eine digitale Bewerberakte.

Der Unterschied zum Robot Recruiter: Ein Abgleich, ob der Lebenslauf zur gesuchten Stelle passt oder nicht, findet nicht statt. Dafür machen CV-Parser aber das manuelle Anlegen einer Bewerberakte überflüssig. Diese kann sozusagen per Knopfdruck generiert werden, was im Bewerbermanagement auch schon mal vieles beschleunigt.

 

Gibt es weitere Anwendungsszenarien für Robot Recruiting?

Es gibt aber noch weitere Einsatzgebiete für Robot Recruiting. Recruiter können ihre Roboter-Kollegen nicht nur bei der Beurteilung von Kandidaten einsetzen oder zur Erstellung digitaler Bewerberakten. Es gibt auch Tools, die sich im Active Sourcing nutzen lassen, also der digitalen Direktansprache von Kandidaten.

Hierzu definieren Personalsuchende in einem digitalen Active-Sourcing-Tool einfach die Skills, nach denen sie für eine Stelle suchen. Ein Klick und der Robot Recruiter durchsucht ausgewählte Talentdatenbanken und/oder das Internet nach passgenauen Kandidaten. Das Besondere: Die Tools beschränken sich bei der Internetrecherche nicht nur auf Business-Portale wie Xing oder LinkedIn, sondern grasen darüber hinaus auch einschlägige Fachcommunities nach Talenten ab, die im nächsten Schritt vom Recruiter angesprochen werden können.

 

 

Wie hoch ist die Akzeptanz von Robot Recruiting bei der Direktansprache von Kandidaten?

Die Akzeptanz gegenüber diesen Systemen steigt. Laut der Studie Recruiting Trends 2020 gibt die Hälfte der Top-1.000-Unternehmen seit 2016 an, dass Robot Recruiting das Active Sourcing vereinfachen könnte. In diesem Jahr zeigen die Ergebnisse nochmals einen deutlichen Anstieg, sodass mehr als drei Viertel der Unternehmen in diesem Bereich große Vorteile sehen.

Trotz dieser sehr positiven Einschätzung hat allerdings derzeit keines der teilnehmenden Unternehmen einen Robot Recruiter für das hauseigene Active Sourcing im Einsatz. Allerdings plant ein Fünftel der Top-1.000-Unternehmen den Einsatz für die Zukunft und acht von zehn Unternehmen glauben, dass Robot Recruiter in Zukunft immer häufiger eingesetzt werden.

 

Ersetzt der Robot Recruiter bald den menschlichen Recruiter?

Was heißt all das aber nun für Recruiter? Müssen sie bald um ihre Jobs fürchten, weil Maschinen übernehmen? Experten geben Entwarnung: Bis zur vollautomatischen Rekrutierung ist der Weg noch weit und einen Ersatz für die Ressource Mensch können die beschriebenen Roboter noch lange nicht darstellen, wenn sie es überhaupt je können.

Recruiter sollten die Tools daher weniger als Bedrohung, denn als Bereicherung wahrnehmen. Dank ihres hohen Automatisierungsgrades verschaffen sie ihnen die nötige Zeit, sich zum Beispiel stärker um die Belange der Kandidaten zu kümmern, statt zum Beispiel in der Verwaltung Akten oder aufwändigen Online-Recherchen unterzugehen. Und darum geht es ja schließlich in HR: Um die Ressource Mensch.