Neue Technologien, immer schnellere Marktzyklen, kultureller und demographischer Wandel: Ganze Branchen und Industriezweige befinden sich derzeit in einem radikalen Umbruch. Das verändert auch die Suchkriterien im Recruiting. Belastbarkeit war gestern. Heute zählt die Resilienz eines Mitarbeiters. Resilient wie? Resilient was? Dahinter steht nichts anderes als: Krisentauglichkeit. (Bild: gstockstudio / dollarphotoclub) 

 

Der moderne Wissensarbeiter steht unter Druck: Marktdynamiken und Kundenanforderungen verändern sich in der heutigen Arbeitswelt permanent, immer schneller müssen Produktneuerungen auf den Markt gebracht werden und die sollen bitteschön auch noch höchsten Qualitätskriterien Stand halten. Das sorgt für eine stetig steigendende Arbeitslast und -verdichtung.

 

Digital Recruiting DOWN

 

Resiliente Mitarbeiter: Wer spricht noch von Belastbarkeit?

In Stellenanzeigen hat sich diese mit den Worten “Belastbarkeit” und “Stressresistenz” längst niedergeschlagen. Doch eigentlich geht es in der Arbeitswelt 4.0 um mehr. Es geht um: Resilienz. Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, Krisen aushalten und bewältigen zu können. Aber bevor Recruiter nun gleich in die Tasten hauen und entsprechenden den Passus mit der Belastbarkeit streichen und stattdessen in ihren Jobinseraten das Wörtchen Resilienz vermerken: HALT! Das ist nicht Sinn der Sache. Entschuldigung, aber welche Wirkung hätte es auf den Bewerber, wenn ein Unternehmen ausdrücklich nach krisenfesten Kollegen sucht? Richtig: Keine gute!

 

Aber nichtsdestotrotz werden die Fähigkeiten, die mit Resilienz in Verbindung gebracht werden, in Zukunft immer wichtiger. Resiliente Menschen bauen sich Netzwerke auf und können außerdem gut mit Konflikten umgehen, das wird in der Arbeitswelt von morgen verstärkt gefragt sein:

 

1. Netzwerke: Der Grund für die steigende Bedeutung des internen und externen Networking liegt auf der Hand. Man baut soziale Kontakte auf, lernt Persönlichkeiten einmal von anderer Seite kennen, erfährt auf informellem Wege, was im eigenen Unternehmen oder in der Branche vor sich geht. Sprich: Der geschickte Networker erhält Insiderwissen und Ideen, die er für seinen beruflichen Alltag nutzbar machen kann.

 

2. Konfliktmanagement: Konflikte bleiben im Arbeitsleben nicht aus. Infolge der zunehmenden Arbeitsdichte ist davon auszugehen, dass sie verstärkt auftreten. Begegnet man ihnen mit destruktiven Strategien, werden sie zu Energiefressern. Wer ihr Potenzial dagegen nutzt, kann sie als Chance für Wachstum und Veränderung einsetzen. Das bedeutet, Warnsignale eines schwelenden Konflikts frühzeitig zu erkennen und konstruktiv in die Bewältigung zu gehen. In der Regel sind Konflikte ein Signal dafür, dass etwas verändert werden muss oder sich bereits verändert hat. Wird das in jedem Konflikt steckende Veränderungspotenzial für Weiterentwicklung genutzt, dient der Konflikt dem Fortschritt.

 

Resiliente Mitarbeiter: Die Recruiting Strategie darauf ausrichten

Handsome businessman working with laptopAber zurück zu Ihnen, verehrte Recruiter. Warum nicht gleich in der Recruiting-Phase darauf achten, ob das Talent, das einem gegenüber sitzt, in dieser Hinsicht Potenzial mitbringt? Das sollte sich doch durch eine geschickte Fragetechnik herausfindenlassen! (Foto: arthurhidden / Dollarphotoclub)

 

Ist das nicht der Fall,  lässt sich das neue Talent und die bestehende Belegschaft zu einer resilienten Truppe ausbilden! Denn das Gute daran: Die innere Widerstandsfähigkeit ist keine feststehende Eigenschaft, die man hat oder nicht. Resilienzforscher sind davon überzeugt: resiliente Geisteshaltungen lassen sich erlernen.

 

Resiliente Mitarbeiter: Resilienz lernen

Für manchen Arbeitgeber ist das keineswegs neu: Das amerikanische Militär gibt zig Millionen Dollar für das Resilienztraining seiner Soldaten aus, von denen viele aus Krisen- und Kriegseinsätzen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTPS) zurückkommen. Mit einem Resilienztraining kann man dem entgegensteuern.

 

Bevor Sie, liebe Recruiter, aber nun entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: So schlimm wird’s in der Arbeitswelt nicht kommen. Traumatische Belastungsstörungen wird keiner erleiden. Aber doch steigt die Gefahr je weiter die Digitalisierung voranschreitet, an Burnout zu erkranken. Und so wird Resilienz nach Ansicht von Experten immer mehr zum Berufsthema. Schon allein deshalb, weil es den Arbeitgeber und die Krankenkassen viel Geld kostet, wenn  psychosoziale Erkrankungen so stark zunehmen wie prognostiziert.

 

Resiliente Mitarbeiter: Resilienz als Teil der Unternehmenskultur

Die Fähigkeit zur Resilienz könnte also über kurz oder lang zum Teil der Unternehmenskultur werden: “Generell können Arbeitgeber Mitarbeiter in Resilienz schulen, damit sie in Krisen auf die gelernten Fähigkeiten zurückgreifen können und es so gar nicht erst zu einer Krise kommt. Und zwar sowohl privat als auch beruflich”, sagt Trainerin Nicole Willnow in einem Interview mit der ZEIT.

 

Und Krisen lauern im Zeitalter der Digitalisierung überall: Hier versagt der Computer seinen Dienst und die Produktionskette steht still, dort verzögert sich wegen Bahnstreiks oder Staus die Lieferung dringend benötigter Teile und ein Projekt kommt zum Erliegen oder Mitarbeiter werden krank oder fallen komplett aus.

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Resiliente Mitarbeiter: Ruhe bewahren!

Wohl dem Manager, der in solchen Tumulten nicht nur besonders ruhig bleiben kann, sondern im Gegenteil – der eigenen Resilienz sei Dank – sogar zu Höchstformen aufläuft. Er wahrt einen kühlen Kopf, analysiert die Situation und sorgt für eine Lösung. Und natürlich kann sich jeder Manager glücklich schätzen, wenn nicht nur er, sondern seine ganze Mannschaft ähnlich beherzt reagiert.

 

Das kann man laut Willnow wie folgt erreichen: “Zunächst muss man wissen, welche Einstellungen und Handlungen einem helfen, eine Krise zu meistern. Und sich dann darauf fokussieren. Das erfordert einige Übung, man muss ja zunächst aus alten Verhaltensmustern ausbrechen. Aber es gelingt mit der Zeit immer besser.”

 

Resiliente Mitarbeiter: Faktor fürs Arbeitgeberimage

Arbeitgeber, die mit den entsprechenden Trainings aufwarten, können ihr Arbeitgeberimage aufmotzen. Sie sollten die Angebote allerdings in die richtigen Worte kleiden. Nach dem Motto: Auch wenn’s mal stressig wird, lassen wir Sie nicht allein, sondern geben Ihnen die richtigen Methoden und Instrumente an die Hand. Die entsprechende Ausbildung geht aber nur ohne Druck, warnt Willnow. Resilienz lässt sich nicht erzwingen. “Denn das Ziel ist ja, die nötige Gelassenheit zu entwickeln, die man im Krisenfall braucht, um richtige Entscheidungen treffen zu können. Dann ist das Team besser gerüstet, wenn doch etwas schief geht.”


 

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