Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, dass Menschen irgendwann mit Mini-Computern in der Tasche umherlaufen, mit denen sich nicht nur telefonieren lässt, sondern auch die Bearbeitung von Dokumenten bis hin zum Filmschnitt zu machen ist? Smartphones, Tablets und Wearable IT – das ist Hardware, die am Körper getragen wird – bringen einen Hauch Zukunft in die Gegenwart. Auch in die  Arbeitswelt. Unter dem Begriff “New Work” diskutieren Arbeitgeber aktuell, wie die Digitalisierung die Büro- und Industrielandschaft verändern wird. Und welchen Einfluss sie auf Stellenmärkte und die Schaltung von Stellenanzeigen haben wird. Wir blicken in die Glaskugel.


New Work ist ganz ursprünglich ein sozialphilosophischer Begriff, den der zeitgenössische austro-amerikanische Sozialphilosoph Frithjof Bergmann geprägt hat. Er ging davon aus, dass der spürbare Wandel in der Arbeitswelt dazu betragen wird, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber über kurz oder lang völlig neu orientieren müssen. Vorbei sei dann die “Knechtschaft der Lohnarbeit” prognostizierte er. Zugunsten eines neuen Wertgefüges, in dem Selbstständigkeit, Freiheit und die Teilhabe an der Gemeinschaft dominierten.

 

Bergmann ging es eigentlich darum, dass jeder Mensch eine Arbeit finden kann und sollte, die seinen eigenen Wünschen, Hoffnungen, Träumen und Begabungen gerecht wird. Aktuell wird der Begriff New Work eher als Synonym für den rasanten digitalen Wandel genutzt. Doch abwegig ist das nicht. Im Gegenteil. Denn letztlich unterstützen die neuen Technologien Bergmanns Ansatz des selbstbestimmten Arbeitens.

 

Neue Arbeitswelt: Flexibel, mobil, ortsunabhängig

Arbeit wird zunehmend mobiler, flexibler und ortsunabhängiger. Und schon jetzt ist absehbar, dass die neue Arbeitswelt völlig neue Möglichkeiten eröffnen wird, Berufs- und Privatleben miteinander zu vereinbaren. Eine Diskussion, die vor allem die Generation Y gegenüber Arbeitgebern prägte, mit dem Ziel, Arbeit und Leben in perfekter Balance miteinander zu vereinen. Stichwort: Work Life Balance.

 

Wie könnte das für Arbeitgeber und Arbeitnehmer konkret aussehen? Darauf geben beispielsweise Augmented Reality-Anwendungen (AR), die aktuell getestet werden, eine erste Antwort. Augmented Reality-Anwendungen lassen virtuelle 3D-Elemente und die Realität direkt vor dem Auge des Nutzers miteinander verschmelzen. Beispiel Architektur: Elemente oder Bauteile fügen sich auf einem einem Monitor exakt an der Stelle ein, an der sie später einmal entstehen werden. In 3D versteht sich.
Digital Recruiting DOWN

 

new work

Bislang gibt es allerdings noch keinen Weg, die Realität und 3D-Elemente direkt vor dem Auge des Nutzers eins zu eins zu verschmelzen. Realität und Display müssen gegeneinander abgeglichen werden. Noch. Gelingt Microsoft indes der erhoffte Coup, könnte sich das bald ändern. HoloLens heißt das neue Produkt des Softwareriesen. Noch befindet es sich in der Testphase. Optisch gleicht es einer überdimensionalen Skibrille. Das Besondere: Im Gegensatz zu anderen Virtual Reality-Brillen wie der Oculus Rift blendet es die reale Umgebung nicht aus. Wer sich HoloLens auf die Nase setzt, sieht die Realität dank halb-transparenter Linsen weiterhin – ergänzt um virtuelle Inhalte. Das eröffnet mannigfache Einsatzmöglichkeiten. (Bild: fotogestoeber / dollarphotoclub)

 

Mit der integrierten Skypefunktion könnten sich beispielsweise Gesprächspartner als 3D-Hologramme in den Raum projizieren lassen. Eine Funktion, die einen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitswelt der Zukunft haben könnte. Zum Beispiel, was die Führung virtueller Teams anbelangt. Noch ist die Zusammenarbeit über Telefon- oder Videokonferenzen, Messenger, E-Mail etc. oft eine Herausforderung. Den direkten Kontakt und Austausch ersetzen all diese Anwendungen nicht. Doch mit der Holo-Brille auf der Nase könnten virtuelle Teams emotional näher zusammenrücken, sich besser kennenlernen und eine andere Arbeitsatmosphäre etablieren – obwohl sie nach wie vor ein Ozean trennt.

 

Virtuelles Teammeeting mit den Holo-Kollegen

Teammeetings, One-to-Ones, Feedbackgespräche – alles kein Problem. Die Kollegen könnten sich gar zum Teamabend oder Mittagessen verabreden. Allerdings müsste jeder selbst für sein Essen sorgen und damit leben, dass die Gesprächspartner zwar optisch anwesend, aber nicht anfassbar sind und alle eine klobige 3-D-Brille auf der Nase haben. Aber wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann Brillen, die gleiches vermögen, sich aber nicht von einer herkömmlichen Lesebrille unterscheiden.

 

All das brächte mehr Flexibilität in die Arbeitswelt. Geschäftsreisen würden beispielsweise nahezu obsolet, auch Homeoffice-Lösungen könnten dank der immer ausgefeilteren Möglichkeiten der virtuellen Zusammenarbeit eine noch stärkere Verbreitung finden. Ins Teammeeting kann man sich schließlich per Knopfdruck einbeamen. Das würde völlig neue Möglichkeiten in punkto Vereinbarkeit von Familie und Beruf eröffnen. Die Arbeit könnte dann erledigt werden, wenn es passt. Was spräche zum Beispiel dagegen, vormittags zu arbeiten, den Nachmittag mit dem Kind zu verbringen und sich dann abends nochmal einzuloggen? Oder am Wochenende? Klar: Feste Termine müssten natürlich eingehalten werden. Dazu könnten Meetings beispielsweise zu fest vereinbarten Kernzeiten stattfinden.

 

Und hier schließt sich der Kreis zum Sozialphilosophen Bergmann. Wie war das noch? Selbstbestimmung und Freiheit? Diese Grundsätze wären erfüllt. Theoretisch. Denn aktuell sind sich Experten uneins, ob die intensive Verschmelzung von Leben und Arbeit nicht eher dazu führen könnte, dass der Arbeitnehmer der Zukunft überhaupt nicht mehr abschalten kann. Gegenstimmen vermuten indessen, dass er genau das vielleicht sogar umso besser kann. Schließlich wird ihm durch das Plus an Flexibilität und wegfallende Fahrtzeiten viel Druck von den Schultern genommen. Viele Fragen sind also noch offen.

 

 Die Neuerfindung der Arbeitswelt

In jedem Falle wird sich die Arbeitswelt neu erfinden müssen. Und ganz sicher werden viele Produkte auf dem Markt auftauchen, schnell wieder verschwinden und anderen Platz machen. Doch eines ist sicher: Die Zukunft wirft bereits große Schatten voraus. Das gilt nicht zuletzt auch für den Stellenmarkt und Stellenanzeigen. Schon jetzt ist absehbar, dass sich die Welt des Recruitings und der Stellenanzeigen ändern wird.

 

Das klassische Post- and Pray-Recruiting – Stellenanzeige schalten und abwarten – hat bereits ausgedient. Immer mehr Arbeitgeber müssen direkt auf Kandidaten zugehen, um diese zu erreichen und vakante Stellen zu besetzten. Mit der zunehmenden Digitalisierung wird sich auch die Direktansprache von Kandidaten weiter verändern. Sicherlich wird es die klassische Stellenanzeige weiterhin geben – ergänzt um weitere Rekrutierungsmethoden.

 

Nehmen wir beispielsweise die sich mehr und mehr verbreitende Smart Watch. Arbeitgeber könnten diese nutzen, um Stellenanzeigen an den Mann zu bringen. Über eine App könnten wechselwillige Kandidaten etwa signalisieren, offen für Angebote aus ihrer Region zu sein. Im Vorbeigehen könnte der neue Arbeitgeber auf sich aufmerksam machen. Und das wortwörtlich. Etwa indem die Smartwatch dem Kandidaten signalisiert, dass eine vakante Stelle in der Nähe auf ihn wartet, wenn er sich im Umkreis des betreffenden Unternehmens aufhält. Per Fingertipp könnte sich der Kandidat die vollständige Stellenanzeige via Mail schicken lassen. Oder er geht direkt zum Arbeitgeber und informiert sich über den Job. Möglich, dass die Bewerbung der Zukunft viel spontaner und flexibler über die Bühne geht als heutzutage.

 

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Die neu entwickelte App der Jobbörse StepStone lässt dies jedenfalls vermuten. Sie macht es möglich, eine Bewerbung vom mobilen Endgerät abzusenden. Damit reagiert die Jobbörse StepStone auf einen Trend, der sich unaufhaltsam durchsetzt. 42 Prozent der Stellensuchenden nutzen laut einer Studie von Indeed für die Suche nach einer Stelle ihr Smartphone oder Tablet. Doch sobald sie eine interessante Stellenanzeige gefunden haben, kommt zum Medienbruch: Die Bewerbung muss am PC geschrieben und von dort aus versandt werden.( Bild: Romolo Tavan/ dollarphotoclub)
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Die Jobbörse StepStone gehört zu den Jobportalen, die den Bewerbungsprozess mobiler machen. Voraussetzung hierfür ist, dass die gefundene Stellenanzeigen einen “Jetzt bewerben”-Button enthält. Dann geht alles ganz einfach, heißt es in einem Praxistest von Haufe. “Wer in der StepStone-Datenbank ein Profil angelegt hat, kann dieses für die Bewerbung verwenden. Bewerber ohne Datenbank-Profil müssen lediglich ihre Kontaktdaten angeben – hierfür genügen Vor- und Nachname sowie E-Mail-Adresse. Den angeforderten Lebenslauf können sie entweder aus dem Speicher ihres mobilen Endgeräts oder aus einem Cloud-Server wie Dropbox oder Google Drive hochladen. Gleiches gilt für das Anschreiben sowie für weitere Dokumente wie Arbeitszeugnisse, die optional angefügt werden können.”

 

Und weiter: “Wer einmal einen Lebenslauf erstellt und diesen auf seinem Smartphone oder in einem der unterstützten Cloud-Speicher abgespeichert hat, kann innerhalb von zehn Minuten eine aussagekräftige Bewerbung verschicken. Das gleiche gilt für diejenigen Bewerber, die zuvor ein ausführliches Profil in der Datenbank der Jobbörse StepStone angelegt haben. Die vom System vorgeschlagene Nachricht an den Arbeitgeber kann ohne großen Zeitaufwand abgeändert und individualisiert werden.” New Work: Es wird spannend! (Bilder: Dollarphotoclub)


 

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