Videointerviews im Bewerbungsverfahren werden zunehmend beliebter. Zum Beispiel, weil sich Bewerber, die weiter entfernt wohnen, so die Anreise zu einem Unternehmen sparen können. Doch was ist in puncto Datenschutz zu beachten?

 

Datenschutz und Videointerview: Unverträglich?

Es ist kein Geheimnis: Der Recruiting-Prozess ist zeitaufwändig. Vor allem große Unternehmen müssen eine große Zahl an Bewerbungen sichten und sich in Interviews mit vielen Kandidaten auseinandersetzen. Doch ein persönliches Gespräch bedeutet einen großen organisatorischen Aufwand. Zumal sich immer mehr Firmen für Bewerber aus anderen Ländern interessieren. Hier sind die planerischen Anforderungen, um sich eines Tages Aug’ in Aug’ gegenüber zu sitzen noch einmal höher. Bisweilen sprengen sie auch das Budget: Zum Beispiel, weil Flüge und Hotelzimmer gebucht werden müssen.

 

Umso mehr haben Recruiter in den letzten Jahren die Möglichkeit, Videointerviews zu führen für sich entdeckt. Das geht nicht nur synchron, sondern auch zeitversetzt. Letztes ist zum Beispiel dann von Vorteil, wenn zwischen Recruiter und Kandidat nicht nur Kontinente, sondern auch Zeitzonen liegen.

 

Videointerview: Entspannter und authentischer Austausch über Kontinente hinweg

Um dennoch einen entspannten und authentischen Austausch zu gewährleisten, können Recruiter Kandidaten ihre Fragen per Video oder Text stellen und der Bewerber antwortet zeitversetzt per Videobotschaft. Technisch gesehen ist das kein Problem. Moderne Bewerbermanagement-Systeme machen’s möglich.

 

Sowohl die Live-Gespräche als auch die zeitversetzten Interviews liegen im Nachhinein als Aufzeichnung vor. So können Recruiter nicht nur Bewerbungsgespräche bequem aus der Ferne führen, wo und wann immer sie wollen. Sie können die Videos auch Kollegen zur Verfügung stellen, die beim Interview nicht direkt involviert waren. Allerdings müssen bei all dem die Vorgaben des europäischen Datenschutzes beachtet werden. Ja, die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) lässt mal wieder grüßen!

 

Warum? Das ist auf Datenschutzbeauftragter.de nachzulesen: “In Videointerviews werden Bild- und Tonaufnahmen – und damit personenbezogene Daten (Art. 4 Nr. 1 DSGVO) – verarbeitet.” Das setzt schon einmal grundsätzlich die freiwillige Einwilligung des Bewerbers voraus. Bedeutet: Unternehmen können Talenten die Teilnahme an einem Videointerview nicht verordnen, sondern ihnen diese Vorgehensweise nur anbieten. Im Falle einer Ablehnung muss das Jobinterview klassisch von Angesicht zu Angesicht geführt werden. Weiter heißt es in dem Beitrag: “Zu beachten ist außerdem, dass der Bewerber über die Verarbeitung seiner personenbezogenen Daten im Bewerbungsverfahren informiert werden muss (Art. 13 DSGVO).” Falls Sie weitere Fragen zum Thema Datenschutz haben, wenden Sie sich gerne an unseren Partner im Datenschutz.

 

Datenschutz und Videointerview

 

Datenschützer kritisieren mangelnde Transparenz gegenüber Bewerbern

Doch genau hier kommt es häufig zu Nachlässigkeiten. So mancher Arbeitgeber  informiert Talente nicht, wer die Aufnahmen erhält, zu welchem Zweck diese verwendet werden und wann die Daten gelöscht werden. Damit verstößt er gegen die Richtlinien der europäischen Datenschutzgrundverordnung. Dabei wäre das Ganze einfach durch eine standardisierte Mail lösbar, die alle Informationen bereithält.

 

Eine weitere Regel, die beachtet werden muss: Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass nur befugte Mitarbeiter den Videointerviews beiwohnen. Ansonsten ist auch hier der Verstoß gegen die europäische Datenschutzgrundverordnung  Programm. Besonders groß ist die Gefahr, dass Informationen in falsche Hände gelangen, wenn das Videointerview aufgezeichnet wird. Dann muss sichergestellt sein, dass es nur von berechtigten Personen mit einem persönlichen Passwort über das hauseigene Bewerbermanagement-System aufgerufen werden kann. Alles andere kann juristisch geahndet werden.

 

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Weiterhin dürfen die Videomitschnitte nur auf Servern innerhalb der EU gespeichert werden. Und das auch nur für die Zeit, innerhalb der sie für den Bewerbungsprozess relevant sind. Ergo: Ist der Bewerbungsprozess abgeschlossen, müssen sie unwiederbringlich gelöscht werden. Vorsicht geboten ist bei der Nutzung von Services wie  Skype. Hier werden alle Daten 90 Tage lang auf amerikanischen Servern gelagert. Nach Auffassung der Datenschützer ist das als ein rechtswidriger Datentransfer in einen Drittstaat zu werten. Daher unser dringender Hinweis: Greifen Sie für Videointerviews auf ein Bewerbermanagement-System zurück, das den europäischen Datenschutzvorgaben entspricht. Sicher ist sicher.