Blog

Benefits für Mitarbeiter: Die Weihnachtsfeier aus arbeitsrechtlicher Sicht

Veröffentlicht am 6. December 2019

weihnachtsfeier
In vielen Jobinseraten auf StepStone, Monster, Jobware und Co. ist die betriebliche Weihnachtsfeier als ein besonderer Mitarbeiterbenefit aufgelistet. Das ist auch gut so. Denn gerade jüngere Arbeitnehmer finden es wichtig, tolle Erlebnisse im Job zu haben. Wir haben uns passend zu der Jahreszeit gefragt: Was ist bei der Weihnachtsfeier eigentlich aus arbeitsrechtlicher* Sicht zu beachten?

 

Benefits für Mitarbeiter: Zeit ist die neue Währung

Geld, Karriere, Luxus – diese Faktoren sind gewiss nicht unwichtig für Arbeitnehmer. Insbesondere für die jüngeren Generationen ist aber eine neue Währung hinzugekommen: Zeit. Zeit für sich selbst, für Freunde, Familie und Zeit für besondere Erlebnisse. Das Prinzip, einen Teil des Lebens in die Arbeit zu investieren, um Geld zu verdienen, wobei letztlich die Zeit fehlt, um dieses auch ausgeben zu können: Das erscheint den Generationen Y und Z geradezu absurd.

 

live-webinar-socialrecruiting

 

Gegenüber Arbeitgebern hegen sie daher eine klare Erwartungshaltung: Sie sollen ihnen ermöglichen, ein ausgefülltes Leben innerhalb und außerhalb des Berufs zu führen. Damit steht und fällt in großen Teilen die Arbeitgeberattraktivität. Entsprechend bieten immer mehr Arbeitgeber Mitarbeiterbenefits an, die ein gewisses Erlebnispotenzial bergen.

 

Weihnachtsfeiern mit Eventcharakter

Und dabei legen sie die Messlatte immer höher. Sorgten vor einigen Jahren der Tischkicker oder das firmeneigene Bällebad noch für Aufsehen – sind es heute Mitarbeiterausflüge an den Strand oder besondere Erlebnis-Incentives, die Mitarbeiter zum Beispiel durch Exit-Games oder in den Hochseilklettergarten führen.

 

Auch Betriebsveranstaltungen wie die alljährliche Weihnachtsfeier haben einen immer stärkeren Eventcharakter. Unternehmen führen ihre Mitarbeiter beispielsweise zum Krimidinner aus, zum Varieté oder gar zum CSI-Training, wo nach Manier amerikanischer Tatortsonderermittler ein realitätsnah inszenierter Mord aufgeklärt wird.

 

Außergewöhnlich ausgelassen bei der Weihnachtsfeier – wo liegen die Grenzen?

Dass es bei diesen außergewöhnlichen Spektakeln auch außergewöhnlich ausgelassen zugeht, liegt auf der Hand. Dazu trägt nicht nur die einzigartige Eventatmosphäre bei. Auch der Alkohol verleiht einen ordentlichen Kick. Hier ist aus arbeitsrechtlicher Sicht allerdings Vorsicht geboten.

 

Gerade die Mischung aus Alkohol und der lockeren Stimmung verleitet gelegentlich dazu, über die Stränge zu schlagen. Die Tatsache, dass auf einer Betriebsfeier Alkohol getrunken wird, ist allerdings kein Freischein für Fehlverhalten: Beleidigungen, sexuelle Belästigungen, Handgreiflichkeiten oder ähnliche Pflichtverletzungen können durchaus zu einer Abmahnung führen. In schweren Fällen sogar auch zu einer fristlosen Kündigung, denn der Arbeitnehmer unterliegt auch auf einer Weihnachtsfeier seinen arbeitsvertraglichen Verpflichtungen – das gilt auch, wenn die Weihnachtsfeier außerhalb der regulären Arbeitszeit stattfindet.

 

Unfallschutz bei der Weihnachtsfeier

Und wie ist es um den Unfallversicherungsschutz bestellt? Ist die Weihnachtsfeier als Gemeinschaftsveranstaltung grundsätzlich unfallversichert? Nicht unbedingt! So urteilt das Bundessozialgericht, dass die betriebliche Weihnachtsfeier dann unfallversichert ist, wenn die Zusammenkunft der „Pflege der Verbundenheit zwischen der Unternehmensleitung und den Beschäftigten sowie der Beschäftigten untereinander“ dient. Die Teilnahme der Betriebsleitung oder des Unternehmers an den Feierlichkeiten ist hierfür mittlerweile entgegen früherer Rechtsprechung übrigens keine Voraussetzung mehr.

 

Der Versicherungsschutz beschränkt sich allerdings auf die Stätte der Weihnachtsfeier und gilt nur für teilnehmende Arbeitnehmer, nicht für ebenfalls anwesende Angehörige oder für Mitarbeiter, die sich beispielsweise frühzeitig verabschieden, um zu einer anderen Lokalität zu ziehen und dort in kleinerer Runde weiter zu feiern.

 

Weihnachtsfeier: Das Recht zur Teilnahme

Versichert ist auch nur der direkte Heimweg. Mitarbeiter, die nach dem offiziellen Ende der Weihnachtsfeier noch zusammenbleiben, sind also nicht mehr unfallversichert. Eine Weihnachtsfeier ist dann als beendet anzusehen, wenn sie von Unternehmensseite her für beendet erklärt worden ist. Und ohne ein offiziell verkündetes Ende spätestens dann, wenn eine deutliche Mehrzahl der Teilnehmer die Weihnachtsfeier verlassen hat.
Es gibt aber noch mehr rechtliche Angelegenheiten, die zu beachten sind. Das Teilnahmerecht zum Beispiel. Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer im Betrieb ein Teilnahmerecht an der Weihnachtsfeier. Ein Ausschluss einzelner Arbeitnehmer ohne sachliche Rechtfertigung ist gemäß dem arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz willkürlich und somit unzulässig.

 

Ausnahmen zum Recht auf Teilnahme

Allerdings kann die Einrichtung eines Notdienstes für die Dauer der Weihnachtsfeier je nach Art des Betriebs durchaus erforderlich sein. Etwa, um laufende Produktionen nicht zu gefährden. Folglich hat der Arbeitgeber das Recht, Arbeitnehmer auszuwählen, die einen solchen Notdienst verrichten müssen.
Aber wie ist das eigentlich? Sind Arbeitgeber verpflichtet, eine betriebliche Weihnachtsfeier anzubieten? Nein! Eine gesetzliche Regelung dazu gibt es nicht. Auch regelmäßig stattfindende Weihnachtsfeiern oder andere Festivitäten in einem Betrieb führen nicht zwingend zu einem dauerhaften Anspruch, weil der Grundsatz des Gewohnheitsrechts erfüllt wäre.

 

live-webinar-socialrecruiting
Eine verpflichtende Teilnahme eines Arbeitnehmers an einer betrieblichen Feier besteht im Gegenzug selbstverständlich ebenfalls nicht. Dies würde einen unzulässigen Eingriff in die Persönlichkeitssphäre des Arbeitnehmers darstellen und stünde in keinem Zusammenhang mit der Erbringung seiner arbeitsvertraglichen Leistung. Findet die Weihnachtsfeier allerdings ganz oder zum Teil während der Arbeitszeit statt, ist der Arbeitnehmer bei Nicht-Teilnahme zur gewohnten Erbringung der Arbeitsleistung verpflichtet.

 


 

*Hinweis: Alle juristischen Angaben entstammen im Wortlaut oder sinngemäß einer Presseveröffentlichung der Hogan Lovells International LLP. Wir danken freundlich dafür. Bitte beachten Sie, dass wir diesen Text ohne Gewähr veröffentlichen und dieser keinerlei Rechtsberatung darstellt.


Individuelles Angebot anfragen!
+