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Anschreiben: Muss das noch sein oder kann das weg?

Veröffentlicht am 16. October 2019

Anschreiben: Muss das noch sein oder kann das weg?
Der Blick in die Medienlandschaft belegt: Das Anschreiben ist in die Jahre gekommen. Lauteten die Überschriften im Netz vor nicht allzu langer Zeit mehrheitlich so: „Die hohe Kunst, ein perfektes Anschreiben zu verfassen“, so hat sich in den letzten Monaten ein anderes Bild durchgesetzt. Blogs und Online-Magazine titeln: „Anschreiben sind out“, „Muss das Anschreiben wirklich sein?“. Oder: „Bewerben ohne Anschreiben“. Tatsächlich denkt derzeit mancher Personaler darüber nach, das traditionelle Auswahlinstrument einzumotten. Dafür gibt es gute Gründe.

 

Für die meisten Talente ist es ein Graus, ein Anschreiben zu verfassen

„Sehr geehrter Herr Mustermann, mit großem Interesse habe ich auf dem Jobportal StepStone Ihre Stellenanzeige gelesen und bewerbe mich bei Ihnen als Senior Data Scientist.“ So starten die meisten Anschreiben. Und mit dieser Litanei geht es nun über eine ganze Seite weiter und weiter. Meist bemühen Bewerber die immer gleichen Formulierungen und Floskeln aus den immer gleichen Ratgebern.

 

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Spaß macht das weder den Bewerbern noch den Personalern. Laut einer Umfrage des Jobvermittlers „Indeed“ ist das Motivationsschreiben, wie das Anschreiben auch genannt wird, der Teil der Bewerbung, der bei Jobsuchenden mit Abstand am unbeliebtesten ist. Laut der Studie könnte jeder zweite gut darauf verzichten.

 

Recruiter finden das Anschreiben nicht mehr hip

Das ist alles andere als neu. Neu ist aber, dass sich langsam auch die Recruiter von dem Auswahltool verabschieden. Das zeigt eine aktuelle Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Half. Dass Personalverantwortliche weniger Wert auf das Anschreiben legen, liegt vor allem daran, dass dieses nicht mehr besonders hilfreich bei der Beurteilung eines Kandidaten ist.

 

Was Recruiter (48 Prozent) vor allem kritisieren: Vielen Anschreiben mangelt es an inhaltlicher Qualität. Die meisten Textungetüme bieten keine wirklich relevanten Zusatzinformationen zum Lebenslauf mehr. Stattdessen käuen sie ihn einfach nur wieder.

 

Warum sich Personaler vom Anschreiben abwenden

Weitere Gründe, warum Personalentscheider Anschreiben zunehmend für unwichtig halten:

 

- Für 39 Prozent der Personalverantwortlichen sind Anschreiben zu subjektiv.

- Die Informationen in den Anschreiben sind nicht verlässlich, wie 23 Prozent der Personalmanager angaben.

- 15 Prozent der Befragten haben gar keine Zeit, ein Anschreiben zu lesen.

- Rund vier Prozent finden, dass das Social-Media-Profil eines Kandidaten das Anschreiben ersetzen kann.

 

Mehr als die Hälfte der Personalentscheider akzeptieren mittlerweile auch Bewerbungen ohne Anschreiben. Und das betrifft wohlgemerkt nicht nur die kleinen oder mittelständischen Unternehmen. Auch die Big Player haben längst erkannt, dass das Anschreiben in der Personalbeschaffung an Relevanz verliert: Henkel, die Deutsche Bahn und Otto – sie alle verzichten im Recruiting auf den Motivationsbrief.

 

Adios Anschreiben: Die Gründe

Abgesehen von den bereits genannten Gründen gibt es für diese Unternehmen noch weitere Motivationsmomente, das Anschreiben auf das Abstellgleis zu schieben: Viele Bewerber schreiben es gar nicht selbst, sondern lassen den wortgewandteren Bekannten ran. Manche beauftragen sogar Schreibbüros, um einen Motivationsbrief zustande zu bekommen und berappen dafür teures Geld. Wie authentisch kann das dann noch sein?

 

Außerdem geht der Trend eindeutig in Richtung Mobile und Social Recruiting. Sprich: Immer mehr Kandidaten wollen sich per Handy auf Stellenanzeigen bewerben, die sie zum Beispiel beim mobilen Surfen in ihrer Facebook-Timeline entdeckt haben. Ihnen sollte man es möglichst einfach machen. So manches Unternehmen bietet mobilen Talenten daher an, sich nur mit dem Profil aus dem jeweiligen Businessnetzwerk zu bewerben.

 

Tippfehler im Anschreiben – Job vergeigt

Das ist auch gut so. Wir wissen schließlich alle, wie schwierig es ist, einen längeren Text auf dem Smartphone zu verfassen. Tippfehler sind vorprogrammiert und die Autokorrektur erledigt den Rest. Was passiert, wenn ein HR-Experte ein Anschreiben vor sich liegen hat, das voller orthographischer Mängel ist – auch das wissen wir alle: Die Bewerbung landet auf „Ablagestapel P“.

 

Die Kollegen von Gründerszene sehen das ebenfalls kritisch: „Die Gefahr: Wegen Tipp- oder Kommafehlern werden potenzielle Mitarbeiter aussortiert, die mit ihrem Know-how eigentlich perfekt auf die offene Stelle passen würden.“ Schade!

 

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Fazit: Wer die besten Köpfe für sich gewinnen will, muss Kandidaten eine möglichst positive Candidate Experience bescheren. Darunter fällt auch, den Aufwand für den Bewerbungsprozess so gering wie nur möglich zu halten. Das ist in einer Welt, in der selbst die komplexesten Prozesse via Smartphone App mit ein paar Fingertipps gelingen, letztlich auch nur konsequent.

 

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