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Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG): Was gilt für Stellenanzeigen?

Veröffentlicht am 28. October 2019

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG): Was gilt für Stellenanzeigen?
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gilt seit 2006. Es soll Frauen und Männer vor einer Benachteiligung aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer Weltanschauung schützen. Auch Bewerber mit einer möglichen Behinderung sind besonders geschützt. Ebenso wenig dürfen Talente wegen ihres Alters oder ihrer sexuellen Gesinnung vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden. Das Gesetz wird permanent aktualisiert und bezieht sich auf alle Bereiche des Arbeitslebens. Auch auf Stellenanzeigen. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengestellt.

 

An wen richtet sich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz?

Das AGG wendet sich an Arbeitnehmer, Bewerber, Auszubildende, Leiharbeitnehmer, arbeitnehmerähnliche behinderte Menschen, Heimarbeiter und ihnen Gleichgestellte, ehemalige Beschäftigte und in manchen Fällen auch an Selbstständige sowie Geschäftsführer und Vorstände. Verstöße gegen das AGG in Stellenausschreibungen können mit empfindlichen Strafen einher gehen. Um diese zu vermeiden, sollten die folgenden Punkte beachtet werden.

 

Stellenanzeigen geschlechtsneutral formulieren

Stellenanzeigen müssen grundsätzlich geschlechtsneutral formuliert werden. Wählen Sie daher am besten Rollen- und Funktionsbezeichnungen, die keine Rückschlüsse auf das Geschlecht zulassen. Zum Beispiel Geschäftsleitung statt Geschäftsführer oder Geschäftsführerin. Lässt ein Jobtitel doch den Rückschluss auf das Geschlecht des Stelleninhabers zu – das ist zum Beispiel bei kaufmännischen Berufen der Fall, in denen etwa nach einem Industriekaufmann gesucht wird – dann müssen in der Ausschreibung alle geschlechtlichen Formen in Klammern hinter dem Jobtitel genannt werden.
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Seit 2019 gilt: Wer Stellenanzeigen liest, stößt seit Jahresbeginn auf eine Neuerung. Hinter dem Jobtitel steht nicht mehr in Klammern nur ein „m“ für männlich und ein „w“ für weiblich. Seit dem 1. 1. 2019 ist es außerdem verpflichtend, das dritte Geschlecht in Stellenanzeigen aufzuführen. Es wird es mit einem „i” für intersexuell oder „d” für divers abgekürzt. Das dritte Geschlecht bezieht sich auf Männer und Frauen, die mit biologischen Geschlechtsmerkmalen geboren wurden, die weder als männlich noch als weiblich eingeordnet werden können.

 

Keine Altersgrenzen in Stellenanzeigen nennen

Waren früher Formulierungen wie „ergänzen Sie unser junges dynamisches Team“ Gang und Gäbe, sollten Sie heute einen großen Bogen um solche Textzeilen machen. Denn sie grenzen Ältere aus. Verzichten Sie daher auf alle Textpassagen, die einen Rückschluss auf das Alter eines Bewerbers zulassen.

 

Das heißt:

- Keine Altersangaben

- Ersetzen Sie Passagen, in denen Sie nach einem Bewerber mit „langjähriger Erfahrung“ suchen durch möglichst exakte Anforderungen. Zum Beispiel: „Vorausgesetzt werden mindestens drei Jahre Berufserfahrung“

 

Thematisieren Sie keine körperlichen Einschränkungen

Thematisieren Sie in Ihrer Stellenanzeige außerdem keine potenziellen Handicaps von Bewerbern. Vorsicht! Der Teufel steckt im Detail und lauert manchmal zwischen den Zeilen. Wer etwa nach „leistungsfähigen Mitarbeitern sucht“, läuft Gefahr, damit behinderte Bewerber auszuschließen und zu diskriminieren. Die Formulierung könnte so gedeutet werden. Der Zusatz, dass Bewerber mit Handicap bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt werden, ist jedoch zulässig.

 

Die Herkunft des Bewerbers

Jeder Hinweis darauf, dass ein Bewerber wegen seiner Herkunft benachteiligt werden könnte, wird vom AGG geahndet. Auch in diesem Zusammenhang gibt es kritische Formulierungen, auf die Sie in Ihrer Stellenanzeige verzichten sollten: Dazu gehört zum Beispiel der Wunsch nach einer „akzentfreien Aussprache“ oder „perfekten Deutschkenntnissen“. Auch nach der Angabe des Geburtsortes sollten Arbeitgeber nicht fragen.

Vermeiden Sie in der Stellenanzeige jedes Signalwort, das auf eine gewünschte Einschränkung der Herkunft hinweisen könnte. Sie sollten auch kein Bewerbungsfoto verlangen, sondern besser „aussagekräftige Bewerbungsunterlagen“!

 

Religion und Weltanschauung

Auch die Religion und Weltanschauung eines Bewerbers sollte nicht in einer Stellenanzeige erwähnt werden. Verzichten Sie auf Hinweise wie „Sie sind katholisch / muslimisch / jüdisch / evangelisch…“ oder „Sie gehören keiner Konfession an“ oder „Sie zeigen ehrenamtliches Engagement in der Kirche“.

 

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Eine Ausnahme bilden laut AGG Kirchen und kirchliche Einrichtungen. Sie dürfen ihre Bewerber auch im Hinblick daraus auswählen, welcher Religion oder Weltanschauung sie angehören. Auch auch nur dann, wenn die Art der Tätigkeit dies rechtfertigt.

 

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz – der Status quo

Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Stellenanzeigen zeigt: Das AGG zeigt Wirkung. In der bislang größten, bundesweiten Erhebung dieser Art werteten Experten der Antidiskriminierungsstelle des Bundes insgesamt 5.667 Stellenanzeigen aus. Diese stammen aus lokalen und überregionalen Printmedien und von Online-Jobportalen.
Die Ergebnisse im Überblick:

- 97,8 Prozent der untersuchten Stellenanzeigen enthielten keine Diskriminierung

- Von den Stellenanzeigen mit diskriminierendem Inhalt ging es im wesentlichen um das Geschlecht.

- 16,8 Prozent der diskriminierenden Anzeigen enthielten Benachteiligungen aufgrund des Alters. In den entsprechenden Fällen enthielten Anzeigen Altersgrenzen oder suchten r explizit nach einem oder einer „jungen“ Bewerber/in.

- In acht Prozent aller diskriminierenden Stellenanzeigen spielt das Merkmal ethnische Herkunft eine Rolle. Sie enthielten zum Beispiel die Anforderungen, dass der Bewerber „Deutsch als Muttersprache“ sprechen müsse.

Soweit, so gut. Es bestehe aber durchaus noch Raum für Verbesserungen, betont der geschäftsführende Leiter der Antidiskriminierungsstelle, Bernhard Franke. „Unsere Studie zeigt, dass in Stellenanzeigen die gesellschaftliche Vielfalt noch zu wenig abgebildet ist und bestimmte arbeitssuchende Gruppen zu wenig angesprochen werden. Damit entgehen den Arbeitgebern in Zeiten des Fachkräftemangels wichtige Potentiale – gleichzeitig fühlen sich beispielsweise junge Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund ignoriert.“ Die Studie kann hier heruntergeladen werden.*

 

Sie fragen sich, wie Sie Ihre Stellenanzeige AGG-konform gestalten können? Wir beraten Sie gerne zu diesem und allen weiteren Themen der Anzeigenschaltung. Kontaktieren Sie uns jederzeit gerne. 

 


 

* Wir weisen Sie darauf hin, dass diese Informationen  keine Rechtsberatung darstellen.


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