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StepStone: Es steht schlecht um das “schwache” Geschlecht

Veröffentlicht am 14. März 2016

digitalisierungstrendsIn unserer imaginären Reihe “…und noch ne Gender Studie” widmen wir uns heute der jüngsten ihrer Art aus dem Hause StepStone. Wie schon viele vor ihnen gingen auch die StepStonis aus Düsseldorf der Frage nach: Wie schlecht steht es um das “schwache Geschlecht”? Die Erhebung der Jobbörse dreht sich vor allem um die Klassiker des so genannten Gender Gap: Teilzeit versus Vollzeit, Familie versus Beruf etc pp. Dahinter versteckt sich also nichts anderes als das Thema Ungleichbehandlung der Frau in der Arbeitswelt. Gender Gap klingt aber einfach besser. Aber lassen wir die Kleinkrämerei. Kommen wir zu den Ergebnissen. (Bild: Rico / dollarphotoclub)

 

 

StepStone: Die Teilzeitfalle

Für die Studie hat die Online-Jobbörse StepStone im Frühjahr 2016 mehr als 15.000 Fach- und Führungskräfte in Deutschland zu ihrem Karriereverlauf befragt. Männer und Frauen waren unter den Umfrageteilnehmern zu gleichen Teilen repräsentiert. Die Studie liefert einen umfassenden Überblick über die Einstellung von Männern und Frauen zu den Themen

- Arbeitszeitmodelle

– Personalverantwortung

- Führung

Zusammenarbeit

- Bewerbungsverhalten

 

Dabei kam beim Thema Arbeitszeitmodelle heraus, dass fast jede dritte weibliche Fachkraft in Deutschland gerne Vollzeit arbeiten würde, ließe sich die Kinderbetreuung optimal organisieren. Unter dieser Prämisse würden weitere 16 Prozent eine Steigerung ihrer Wochenarbeitszeit  zumindest in Erwägung ziehen. Schätzungen von StepStone zufolge beläuft sich die Anzahl von Frauen, die unter den richtigen Voraussetzungen in Vollzeit arbeiten würden, allein unter Fachkräften auf bis zu eine Million.

 

 

stepstone“Jeder zweite Hochschulabsolvent ist heute weiblich. Nie war der Anteil hochqualifizierter Frauen in Deutschland so hoch wie heute. Doch viele Frauen arbeiten familiär bedingt nur in Teilzeit“, so StepStone Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers. “Gelänge es, dieses kostbare Potenzial für den Arbeitsmarkt zu nutzen, wäre das ein Meilenstein im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Unternehmen und Frauen profitieren gleichermaßen, wenn weibliche Fachkräfte ihre Karrierewünsche besser umsetzen können.”
 

 

StepStone: Erlöst die Frauen vom Schattendasein

Eine Meinung, mit der Dettmers nicht allein steht. Deutschland sieht sich in den kommenden Jahren noch stärker als andere OECD-Länder einer massiven Alterung der Bevölkerung ausgesetzt. Alles in allem ist von einem Arbeitnehmer-Rückgang von rund 14 Millionen Menschen innerhalb der nächsten 15 Jahre auszugehen. Schon vor ein paar Jahren merkte die Robert-Bosch-Stiftung in ihrem Report “Die Zukunft der Arbeitswelt: Auf dem Weg ins Jahr 2030“ an, dass ein Teil des Problems lösbar wäre, würde die Frau, die es gewagt hat, die Gesellschaft zu unterstützen, indem sie Kinder bekommen hat, aus dem Schattendasein einer Minderheit herausgeholt.

 

Raus also aus der Teilzeit-Falle! Was nicht zwangsläufig heißen müsse, dass Kinder nunmehr ganztägig in Krippen abgestellt würden. Warum nicht eine Flexibilisierung der Teilzeit? Warum entweder 20 oder 40 Stunden? Dazwischen lägen nach Adam Riese ja noch 25, 30 oder 35 Stunden-Modelle.

 

Einige Arbeitgeber haben bereits darauf reagiert und ihre Teilzeitmodelle den individuellen Bedürfnissen ihrer Mitarbeiterinnen angepasst. Viele scheuen noch den angeblich so verheerenden bürokratischen Aufwand. Mag sein, dass der anfangs vorhanden ist. Aber Arbeitgeber sollten sich andererseits mal ausrechnen, was es bedeutete, vier ihrer Teilzeitarbeitskräfte von zwanzig auf dreißig Stunden aufzustocken. Richtig: Eine vakante Vollzeitstelle wäre abgedeckt und würde den zeitlichen Aufwand für eine Rekrutierung in einem leer gefischten Arbeitsmarkt wett machen.  Nur mal so als Anregung!
 

 

StepStone: Kinder – und Schluss ist mit der Karriere

Außerdem kommt hinzu, dass Teilzeit auch der weiteren Karriere nicht sonderlich gut tut. So ein weiteres Ergebnis der StepStone Studie. Demzufolge hatte mehr als jede zweite Frau schon einmal den Eindruck, in ihrer beruflichen Entwicklung gegenüber Vollzeitbeschäftigten benachteiligt worden zu sein. Auch Elternzeit wirkt sich laut der Erhebung negativ auf den Karriereweg von Frauen aus. Das gaben 45 Prozent der weiblichen Fach- und Führungskräfte an. Ganz anders bei den Männern: Die große Mehrheit spürt keine Nachteile aufgrund ihrer Auszeit. Aber die Elternzeit von Männern fällt ja im Vergleich zu der von Frauen auch um ein Sechsfaches (!) kürzer aus.

 

 

Fazit: Auch wenn sich Deutschland gerne als innovativen und weltoffenen Staat gibt, der die Gleichberechtigung von Mann und Frau unterstützt, so ist doch im Berufsleben noch ein weiter Weg zu beschreiten, bis hier wirklich alles einheitlich ist. Das manifestiert sich nicht nur in ungleichen Karriereperspektiven von Mann und Frau, sondern auch in der Tatsache, dass sich die Bezahlung der Geschlechter von vornherein unterscheidet. Stichwort: Gender Pay Gap.
 

 

StepStone: Die unterschiedlichen Einkommensaussichten

Laut statistischem Bundesamt (DEstatis) ist der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen ist ein Indiz für mangelnde Gleichbehandlung. “Allerdings ist er auf vielfältige Ursachen zurückzuführen. Frauen und Männer unterscheiden sich in ihren Erwerbsbiografien und der Wahl von Berufsfeldern. Dies führt häufig zu unterschiedlichen Karriereverläufen und Verdienstunterschieden”, heißt es auf der Internetseite von DEstatis. “Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen lag 2014 um 22 Prozent niedriger als der Verdienst der Männer. Seit 2002 ist der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern fast konstant. Das Ziel der Bundesregierung, den Verdienstabstand bis zum Jahr 2010 auf 15 Prozent zu senken, wurde damit deutlich verfehlt.”

 

 
Der so genannte Gender Pay Gap war 2014 je nach Branche sehr unterschiedlich.

–  Freiberufler: 33 Prozent

Banken und Versicherungen: 29 Prozent

– Verarbeitendes Gewerbe, Handel sowie Information und Kommunikation: 26 Prozent

– Gesundheits- und Sozialwe­sen: 25  Prozent

 

 

Auffallend ist, dass das Verdienstgefälle im öffentlichen Bereich weniger stark ausgeprägt ist, als im privatwirtschaftlichen Unternehmen. Der Verdienstabstand ist mit sechs Prozent im öffentlichen Dienst wesentlich geringer als in der Privatwirt­schaft mit 24 Prozent. Sieht man sich also die Faktoren Gehälter, Arbeitsbedingungen und Karrierevoraussetzungen an, geraten Frauen, die sich neben dem Beruf auch noch für Kinder entscheiden, schnell aufs Abstellgleis, während branchenübergreifend über den Fachkräftemangel gestöhnt wird… Klingelt’s? All die schönen neuen Recruitingtools, die nur für einen Teil der Kandidaten genutzt werden. Eigentlich schade drum! (Bild: Spektral-Design / dollarphotoclub)#

 

 

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